Gemeinde Nalbach

Die Gemeinde Nalbach beabsichtigt, ein kommunales Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept für alle ihre vier Ortsteile zu erstellen. Damit sollen Schadensursachen aufgearbeitet und die Hochwasser- und Starkregenvorsorge insbesondere für größere Ereignisse umfassend vorangetrieben werden, um sich besser vorbereiten zu können.

Die Gemeinde Nalbach liegt mit ihren vier Ortsteilen Nalbach, Piesbach, Bilsdorf und Körprich am Unterlauf der Prims, einem Gewässer II. Ordnung. Der Prims fließen insbesondere von Westen kommend zahlreiche kleine, steile Bäche (III. Ordnung) in Kerbtälern und Sohlenkerbtälern zu. Diese durchfließen kurz vor der Mündung in die Prims dicht bebaute Orts- lagen und sind streckenweise stark ausgebaut, teilweise verrohrt. Daneben existieren zahlreiche Trockentäler und Tiefenlinien, die bei Starkregen Sturzfluten abführen und teilweise bebaut sind (Straßen mit randlicher Bebauung und Wege). Geprägt wird das Landschaftsbild in Nalbach auch durch seine mehrere hundert Weiheranlagen in der Primsaue, die auch eine gesonderte Betrachtung in einem Hochwasservorsorgekonzept erfordern.

1993 und 1995 ereigneten sich die letzten große Hochwasser an der Prims. Legt man die in der jüngeren Vergangenheit erfolgten Überflutungen durch Starkregen zu Grunde, die auch in Nalbach stattgefunden haben und die auch weiterhin nicht auszuschließen sind, sollten sich neben Land und Landkreis auch die Gemeinde und ihre Bevölkerung sowie Industrie und Gewerbe auf außerordentliche, bisher noch nicht erlebte Überflutungen vorbereiten.

Im Unterschied zu „Flusshochwassern“, das ganze Flussläufe betrifft und durch großflächige Beregnung des Einzugsgebiets verursacht wird, spricht man von Starkregenereignissen, wenn intensive Niederschläge kleinräumig auftreten und örtlich begrenzt Überflutungen in kleinen Bächen, Tiefenlinien und Muldenlagen verursachen. Die Übergänge können fließend sein. Insbesondere 2016 und 2018 wurde das Saarland von Unwettern mit außerordentlichen Schäden durch Starkregen betroffen. Auch im Bereich der Gemeinde Nalbach gab es Schäden selbst in Höhenlagen, weitab von den Talgründen der Fließgewässer. Klimaexperten gehen davon aus, dass aufgrund des Klimawandels in Zukunft vermehrt mit extremen Wetterereignissen, vor allem auch mit Starkregen, zu rechnen ist. Die außerordentlichen und katastrophalen Überflutungsereignisse im Juli 2021 im benachbarten Rheinland-Pfalz und in NRW verdeutlichen, dass bisher nicht erlebte Unwetterereignisse historischen Ausmaßes zur Realität geworden sind. Das Saarland und auch Nalbach und die Bevölkerung selbst stehen daher vor großen Herausforderungen.

Vorstellung Maßnahmen

Die Maßnahmenvorschläge und -entwürfe werden in weiteren Bürgerveranstaltungen präsentiert (siehe Flyer).

Die Maßnahmensteckbriefe sind hier einsehbar. Die Rückmeldungen aus den Veranstaltungen sind noch nicht eingearbeitet, ebenso sind die Zuständigkeiten noch unter Vorbehalt der endgültigen Abstimmung:

Maßnahmensteckbriefe Gemeinde Nalbach_PRIMS_Entwurf

Maßnahmensteckbriefe Gemeinde Nalbach_BILSDORF_Entwurf

Maßnahmensteckbriefe Gemeinde Nalbach_NALBACH_Entwurf

Maßnahmensteckbriefe Gemeinde Nalbach_KÖRPRICH_Entwurf

Maßnahmensteckbriefe Gemeinde Nalbach_PIESBACH_Entwurf

Bürgerforen

Die Bürgerforen werden durch das Planungsbüro Hömme GbR durchgeführt, auch Vertreter der Ortsgemeinden nehmen an den Veranstaltungen teil. Eingeladen sind alle Bürgerinnen und Bürger, um sich über die Hochwasser- und Starkregengefährdung und geeignete persönliche und private Maßnahmen der Eigenvorsorge zu informieren und um im Austausch mit dem Planungsbüro zunächst die neuralgischen Gefahrenpunkte zusammenzutragen, für die im weiteren Projekt dann die Maßnahmenvorschläge erarbeitet werden sollen. 

 Zunächst erfolgt eine Präsentation zu den Belangen der Hochwasser- und Starkregenvorsorge und eine Übersicht über die generellen Gefährdungsbereiche im jeweiligen Ortsteil. Zudem werden die bestehenden Hochwassergefahren- sowie die Sturzflutgefährdungskarten in der Präsentation vorgestellt und erläutert. Aus den Starkregengefahrenkarten und den Erkenntnissen aus den vorangegangenen Ortsbegehungen, mit Vertreter:innen von Verbands- und Ortsgemeinde, Feuerwehr und den VG-Werken, wurden die (potenziellen) Problembereiche und neuralgischen Punkte zusammengestellt, die sich bei vergangenen Starkregen- und Hochwasserereignissen bereits als (besonders) kritisch erwiesen haben oder an denen es zukünftig problematisch werden könnte.

Zu den bereits erfassten und präsentierten Sachverhalten wurden zusätzlich die persönlichen Einschätzungen und Erfahrungswerte der Anwesenden aufgenommen, die den Handlungsbedarf an einigen Stellen verdeutlichte. Für das Planungsbüro waren und sind auch weiterhin die Hinweise und Erfahrungen der Betroffenen eine wichtige Quelle, um zielgerichtet Maßnahmen zur Entschärfung dieser Gefahrenpunkte erarbeiten und definieren zu können.

Neben der  Erläuterung zu den Möglichkeiten der kommunalen und öffentliche Hochwasser- und Starkregenvorsorge, wurde im Vortrag auch eindringlich die Notwendigkeit zur persönlichen und privaten Eigenvorsorge an vielen Beispielen vermittelt. Hierzu wurden unterschiedliche Aspekte erläutert, die vor, während und nach einem Ereignis zu beachten sind und aufgezeigt, welche konkrete Maßnahmen man auf dem eigenen Grundstück bzw. am Gebäude umsetzen kann und muss (Sicherung gegen Kanalrückstau), um sich bestmöglich zu schützen. Nähere Informationen zur privaten und persönlichen Eigenvorsorge sind hier gelistet.

Zu den Punkten, die seitens der Teilnehmenden/ Betroffenen nochmals explizit angesprochen bzw. für die jeweilige Ortsgemeinde ergänzt wurden, zählen die nachfolgend aufgeführten Problemlagen und Bereiche. Zu den bei der Ortsbegehung aufgenommenen Bereichen siehe hier.  Zu beachten ist, dass diese Listen nicht die vollständigen Maßnahmenbereiche für das spätere Konzept darstellen.

 

Bürgerforum Primshochwasser (Nalbach)

23.10.2023

Von den Teilnehmenden ergänzte/ bestätigte Gefahrenbereiche/ Hinweise zur Prüfung:

  • Hinweis auf das Gefahrenpotenzial durch nicht genehmigte Bebauung an den Weiheranlagen, sowie z.B. abgestellte Wohnwagen und Möbel 
  • Hinweis auf Installation von Sirenen zur Warnung der Bevölkerung und Nutzung von Warn-Apps
  • Forderung nach weiterer Sensibilisierung und Information, insbesondere zur Gewässerunterhaltung und Berücksichtigung wasserrechtlicher Genehmigungspflichten
  • Forderung nach Konsequenzen bei nicht genehmigter Bebauung in ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten
  • Vorschlag Hochwasserpatenschaften einzurichten um Vorsorge zu verbessern  

 

Bürgerforum Bilsdorf

19.10.2023

Von den Teilnehmenden ergänzte/ bestätigte Gefahrenbereiche/ Hinweise zur Prüfung:

  • Forderung nach verbessertem Unterhalt der Weiheranlagen zur Verringerung des Gefahrenpotenzials
  • Kein weiterer Ausbau der Siedlung entlang der Wiesenstraße Richtung Prims und deren Auenflächen
  • Hinweise auf Oberflächenabfluss in den Bereichen Wiesenstraße, Schillerstraße und Weiherstraße entlang des Herrenbachs
  • Hinweis auf eine ehemalige Löschwasseranlage 
  • Beeinträchtigung wegseitiger Abflussgräben in südlicher Verlängerung der Weiherstraße durch Einträge aus landwirtschaftliche Nutzung

 

Bürgerforum Nalbach

05.10.2023

Von den Teilnehmenden ergänzte/ bestätigte Gefahrenbereiche/ Hinweise zur Prüfung:

  • Langfristige Absicherung der ehemaligen Mülldeponie in der Nähe des Rückhaltebeckens am Zimmerbach mit Zustimmung der Anwohner
  • Prüfung des Oberflächenabflusses des Rundelbaches in den Mischkanal im Bereich der Schletterstraße
  • Prüfung der Teiche in Nähe der Prims, Verlängerung Bilsdorfer Straße, auf Eignung als Retentionsraum
  • Vorschlag zur Änderung des Abflussquerschnitts am Brückenbauwerk westlich der Ortslage im Zusammenhang mit dem zukünftigen Bau der Umgehungsstraße, Anpassung an den Brückenquerschnitt der Primsbrücke oberhalb
  • Rückmeldung bei der Gemeinde im Falle zu säubernder Auffangroste erwünscht
  • Hinweis auf die Funktionalität der Kanalisation im neuen Gewerbegebiet durch u.a. Schaffung von Ausgleichsflächen und Bereitstellung von Zisternen
  • Forderung nach vermehrter Entfernung von Ablaufgräben im bewaldeten Außengebiet/Forst, um den dortigen Wasserrückhalt zu verbessern   
  • Berücksichtigung des Wehres im Bereich der alten Mühle bei der Vorsorgeplanung
  • Hinweis der Feuerwehr zur Anschaffung neuer Sirenen mit eigener Akkuversorgung, sowie zur Nutzung einer Wetter-App mithilfe der Daten einer kürzlich neu installierten Radarstation in der Region

 

Bürgerforum Piesbach

25.09.2023

Von den Teilnehmenden ergänzte/ bestätigte Gefahrenbereiche/ Hinweise zur Prüfung:

  • Ergänzung der Starkregengefahrenkarte um weitere Abflussfahnen bei Starkregen, entsprechend der örtlichen Erfahrungswerte
  • Pflege und Instandhaltung des Festplatzes sowie Räumung von Astschnitt und Totholz
  • Verstärkte Reinigung der Ablaufkanäle im Bereich „Bergstraße“ und „Auf dem Berg“
  • Retentionsflächenplanung auf Pachtgrundstücken der Bewohner auf landwirtschaftlichen Nutzflächen oberhalb der Ortschaft
  • Schaffung von Retentionsflächen in Forstgebieten des Piesbacher Aschbaches

 

Ortsbegehungen

Bei den Ortsbegehungen wird das Planungsbüro durch Vertreter:innen der Gemeinde (Bürgermeister, Bauhof, Bauamt) und Ortsteile und der örtlichen Feuerwehr unterstützt. Gemeinsam werden die bereits bekannten neuralgischen Punkte und Einsatzstellen früherer Ereignisse angeschaut sowie die in Hochwasser- und Starkregengefahrenkarten ausgewiesenen (potenziellen) Gefahrenbereiche innerhalb der bebauten Ortslagen.

Ortsbegehung Piesbach

26. Mai 2023

Die einzelnen Stationen der Ortsbegehung sind den Kartenausschnitten zu entnehmen. Eine nähere Information zu den einzelnen Problemlagen erfolgt im Rahmen des Bürgerforums.

Für das Vorsorgekonzept sind bereits folgende Maßnahmenbereiche festgehalten:

  • Piesbach: innerörtlicher Fließabschnitt (Themen: Verbesserung der Retention, Gewässer- und Anlangenunterhaltung, Herstellung der Zugänglichkeit zu Einlassbauwerken u.a.)
  • Aschbach: von der Quelle bis zur Verrohrung an der Hauptstraße (Themen: Verbesserung der Retention außerorts, Zustand des innerörtlichen Fließabschnitts)
  • Bergstraße: Oberflächenabfluss über nördlich angrenzende Hangflächen
  • Flächen oberhalb des Straßenzugs „Auf dem Berg“: konzentrierter Eintrag von Oberflächenabfluss über Wegesysteme

 

ORTSBEGEHUNG NALBACH

18. April 2023

Die einzelnen Stationen der Ortsbegehung sind dem Kartenausschnitt zu entnehmen. Eine nähere Information zu den einzelnen Problemlagen erfolgt im Rahmen des Bürgerforums.

Für das Vorsorgekonzept sind bereits folgende Maßnahmenbereiche festgehalten:

  • Entwässerungsgräben im Bereich Bierbach
  • Oberflächenabfluss im Bereich Ziegelei und Düppenweilerstraße
  • Zimmerbach-Durchlass oberhalb der Bebauung
  • Zimmerbach im Bereich Deponie und des Rückhaltebeckens
  • Rondelbach: Einlassbauwerk Schletterstraße
  • Zimmerbach: Einlassbauwerk Schletterstraße
  • Etzelbach: Bachlauf und Einlassbauwerk Etzelbachstraße
  • Starkregengefährdung Saarstraße und Moselstraße sowie Mittelstraße
  • Friedhof/ Josefstraße
  • Grundschule
  • Standort der geplanten neuen Kita in der Piesbacher Straße
  • Prims: Überschwemmungsbereiche 
  • Gewerbegebiet Primsaue II
  • Eisenbahnstraße: Bachdurchlass Kindelfloß

 

ORTSBEGEHUNG KÖRPRICH

28.02.2023

Die einzelnen Stationen der Ortsbegehung sind dem Kartenausschnitt zu entnehmen. Eine nähere Information zu den einzelnen Problemlagen erfolgt im Rahmen des Bürgerforums.

Für das Vorsorgekonzept sind bereits folgende Maßnahmenbereiche festgehalten:

  • Prims: Überschwemmungsbereiche (Betroffenheit anhand der Erfahrungswerte der vergangenen Hochwasserabflüsse 1992 und 1993)
  • Prims: Pegelmessungen (geplant: Einrichtung eines Pegels für Köprich)
  • Falkenweg/ Lilienweg: Gefahrenpotenzial durch Hangabfluss
  • südlich der Bundesstraße (zwischen Drosselweg und Dillinger Straße): drückendes Wasser 
  • nicht eingetragenes Gewässer im Berreich der Dillinger Straße (bekannt unter Mukenbach)
  • Waldstraße, im Bereich des Rödelbaches: drückendes Hangwasser
  • Waldstraße, im Abschnitt Nr. 33: Gefahrenpotenzial durch Außengebietsentwässerung
  • Kapellenstraße, im Abschnitt Nr. 53: Gefahrenpotenzial durch Außengebietsentwässerung
  • Bahnhofstraße: war durch Kanalrückstau und Oberflächenabfluss betroffen (nach Ereignis wurde Mischwasserkanal vergrößert)
  • erheblicher Oberflächenabfluss in Abschnitten der Wingerterstraße
  • Entwässerung im Bereich der Sportplatzanlage: angrenzende Bebauung der Bahnhofstraße war durch Abfluss aus Entwässerungsgraben betroffen

 

ORTSBEGEHUNG BILSDORF

28.02.2023

Die einzelnen Stationen der Ortsbegehung sind dem Kartenausschnitt zu entnehmen. Eine nähere Information zu den einzelnen Problemlagen erfolgt im Rahmen des Bürgerforums.

Für das Vorsorgekonzept sind bereits folgende Maßnahmenbereiche festgehalten:

  • Prims: Überschwemmungsbereiche
  • Herrnbach und (private) Weiheranlagen
  • Herrnbach, im Abschnitt entlang der Dorfstraße: Betroffenheit durch Hochwasserabfluss
  • Dorfstraße/ Brückenstraße/ Bahndamm: Betroffenheit durch Oberflächenabfluss
  • Enzbach
  • Enzbachstraße, Dorfstraße, Nauwieser Straße: Gefahrenpotenziale durch Oberflächenabfluss