Gemeinde Illingen

Die Gemeinde lllingen beabsichtigt, ein örtliches Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept für alle sechs Ortsteile zu erstellen. Damit sollen Schadensursachen aufgearbeitet und die Hochwasser­ und Starkregenvorsorge auch für größere Ereignisse umfassend vorangetrieben werden.

Die Gemeinde lllingen umfasst die sechs Ortsteile lllingen, Uchtelfangen, Wustweiler, Hüttigweiler, Hirzweiler und Welschbach. Sie wird vorwiegend von der namensgebenden III entwässert. Dem Haupt­gewässer fließen über Kerb- und Sohlenkerbtäler zahlreiche Nebenbäche zu, die oftmals im besiedel­ten Bereich einmünden: Seelbach, Düsterbach, Malzbach, Merch, Uchtelbach, Welschbach u. a.

Im Dezember 1993 ereignete sich das letzte große Bachhochwasser an der Ill. Legt man die in der jün­geren Vergangenheit extremen Überflutungen zu Grunde, die auch in lllingen nicht auszuschließen sind, sollten sich neben Land und Landkreis auch die Gemeinde und ihre Bevölkerung sowie Industrie und Gewerbe auf extreme, bisher noch nicht erlebte Überflutungen vorbereiten. Aufgrund des Natur­schutzgroßvorhabens „Täler der Ill und ihrer Nebenbäche“ sind viele strukturelle Maßnahmen am Ge­wässer und im Bereich der Talauen durchgeführt worden. Diese können jedoch keine größeren Über­flutungen wirksam abmildern.

Im Unterschied zu „Flusshochwasser“, das ganze Flussläufe betrifft und durch großflächige Beregnung des Einzugsgebiets verursacht wird, spricht man von Starkregenereignissen, wenn intensive Nieder­schläge kleinräumig auftreten und örtlich begrenzt Hochwasser in kleinen Bächen, Tiefenlinien und Muldenlagen verursachen. Die Übergänge können fließend sein. Insbesondere 2016 und 2018 wurde das Saarland von Unwettern mit außerordentlichen Überflutungen betroffen. Auch im Bereich der Ge­meinde lllingen gab es v.a. in den Ortsteilen Wustweiler und Hüttigweiler Schäden, selbst in Höhenlage, weitab von den Bächen. Klimaexperten gehen davon aus, dass aufgrund des Klimawandels in Zukunft vermehrt mit extremen Wetterereignissen, vor allem auch mit Starkregen, zu rechnen ist.

Ortsbegehungen

Ortsbegehung Welschbach

10. September 2021

Im gleichnamigen Ortsteil bergen der Welschbach und seine Nebenbäche ein hohes Gefahren- und Schadenspotenzial bei Starkregen. Hier fand die letzte Ortsbegehung statt,; damit sind alle Ortsteile der Gemeinde das erste Mal besichtigt worden. Ein Grund für die letzten Hochwasserereignisse wird auch aus Richtung der Ortslage Stennweiler gesehen, die am Oberlauf des Welschbaches liegt. Laut Aussage wird Oberflächenabfluss hier schnell in das Gewässer abgeleitet, sodass der Welschbach im (Stark-)Regenfall schnell ansteigt. Das große Hochwasserereignis 1999 wurde dadurch wohl stark beeinflusst. Die Starkregengefahrenkarten zeigen zusätzlich die Abflüsse aus dem Außengebiet in die Ortslage Welschbach. Die Gewässer, insbesondere der namensgebende Bach, sind teilweise verrohrt und verlegt und in Abschnitten nur schwer zugänglich, um Unterhaltungsmaßnahmen durchzuführen. Gerade solche Bachläufe sind bei Starkregen schnell überlastet, ufern aus und sorgen für große Schäden. Im Rahmen der Konzepterstellung sollen für den Bachlauf geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Gefahrensituation erstellt werden.

Die bei der Ortsbegehung besichtigten neuralgischen Punkte sind in der Übersichtskarte dargestellt.

 

Ortsbegehung Hirzweiler

9. September 2021

Zur Ortsbegehung in Hirzweiler wurden Gemeindevertreter und Planungsbüro von Ortsvorsteher Ralf Fischer begleitet. Begonnen wurde am Hirzweiler Bach, der bereits mehrfach für Überschwemmungen sorgte. Zwischen den Privatgrundstücken der Leiwieserstraße und Am Zimmerplatz verläuft das Gewässer in mehreren Abschnitten verrohrt, so auch unter dem ehemaligen Sportplatz. Durch die verrohrten Abschnitte kommt es zu Rückstau bei hoher Wasserführung, die vor allem an der kreuzenden Dorfwaldstraße für breite Ausuferungen und Überflutungen der angrenzenden Grundstücke und Gebäude vor dem Straßendurchlass sorgte. Dabei war auch das Gerätehaus der Feuerwehr betroffen. Zwischen Dorfwaldstraße und Raiffeisenstraße fließt der Bach wieder offen in einer Geländesenke, wodurch es vor der höher gelegenen Raiffeisenstraße bei Starkregen ebenfalls zu einem breitflächigem Einstau der Flächen kommt, Dies muss bei den geplanten Bauvorhaben in diesem Bereich unbedingt berücksichtigt werden.

Der Münchbach tritt von Norden kommend im Bereich der Leitenackerstraße in die Bebauung ein. Hier besteht ein großes Einlassbauwerk mit Rechen, dass das Gewässer und das zufließende Außengebietswasser in eine Verrohrung führt – bis zur Einleitung in die Ill am Brückenbauwerk in der Straße. Hier kommt es bei Vollfüllung des Rohrs zu einer hydraulischen Überlastung, wodurch die angrenzenden Grundstücke an der Ill betroffen sind. 

Weitere Stationen der Ortsbegehung sind in der Übersichtskarte markiert.

 

Ortsbegehung Hüttigweiler

2. September 2021

Mit Vertretern der Feuerwehr, der Gemeinde und dem Ortsvorsteher Guido Jost wurden die Gefahrenstellen in Hüttigweiler angeschaut – solche, die bei früheren Starkregen zu Einsätzen der Feuerwehr führten und weitere, die sich aus der Starkregengefahrenkarte ergeben. Schadenschwerpunkte waren in Hüttigweiler zuletzt die Wohnstraßen im Nordwesten des Ortsteils: Ahornweg, Buchenweg, Akazienweg und Tholeyer Straße. Noch zu ermitteln ist, wodurch die vollgelaufenen Keller und Überschwemmungen in den Straßen ausgelöst wurden – ob es durch Kanalrückstau oder durch Oberflächenabfluss zu den Schäden kam. Dies soll mit den Anliegern im späteren Bürgerforen geklärt werden. In weiteren (potenziell) betroffenen Bereichen in Hüttigweiler – in Brücken- und Fliederstraße, Friedhofstraße, Schiffweilerstraße – führt Starkregen zu wild abfließendem Wasser aus dem Außengebiet in die bebaute Ortslage. In Verbindung mit der landwirtschaftlichen Nutzung, der Bodenbeschaffenheit und dem Grad der Bearbeitung sowie der Festigkeit des Bewuchses, kann Starkregen zu erhöhter Bodenerosion und Schlammeintrag in den Ort führen. Hier ist eine besonders sensible und bodenschonende Bewirtschaftung anzuraten. Die Entwässerungseinrichtungen im Übergang von AUßengebit zur Ortslage sind an einigen Stellen zu optimieren, um auch bei stärkerem Regen und Materialabfluss noch funktionsfähig zu bleiben bis die Kapazität des Kanals erreicht ist.

Im Überschwemmungsgebiet der Ill befindet sich unmittelbar keine Bebauung. Wichtig ist dennoch, an den Brückenbauwerken den Durchfluss dauerhaft zu gewährleisten und dazu die Unterhaltung der Ein- und Auslassbereiche regelmäßig durchzuführen.

Die weiteren Stationen der Ortsbegehung sind in der Übersichtskarte markiert.

 

Ortsbegehung Uchtelfangen

2. September 2021

Bei der Ortsbegehung in Uchtelfangen wurden die neuralgischen Punkte der Starkregenereignisse 2016 bis 2018 besichtigt. Die Erkenntnisse decken sich mit den Angaben der neu erstellten Starkregengefahrenkarten. Unter Führung von Ortsvorsteher Stefan Maas begann die Ortsbegehung in der Straße Am Marktplatz. Die Vertreter der Gemeindeverwaltung und des Bauhofs sowie Löschbezirksführer Roland Rachor zeigten dem Planungsbüro den Zusammenfluss von Harzbach und Uchtelbach, kurz vor dem Eintritt des Uchtelbaches in die innerörtliche Verrohrung, die bis unterhalb des Sportplatzgeländes reicht. Den Zustand der Bachverrohrung wird der Abwasserzweckverband Illtal kurzfristig prüfen. Aufgrund von innerörtlichen Überflutungsschäden nach Starkregen soll ermittelt werden, welchen Zustand die Verrohrung hat und welche Fremdeinleitstellen bestehen. Besonders betroffen bei den vergangenen Starkregenereignissen war die Ortsmitte im Kreuzungsbereich Josefstraße/ Ottweilerstraße/ Friedrichstraße/ Eckstraße, wo das Wetter binnen Minuten bis zu 40 cm anstieg und in nicht gesicherte Lichtschächte, Tiefgaragen und Hauseinfahrten einströmte, u.a. auch wiederholt in das Geschäftshaus.

In der Göttelborner Straße kam es nach Starkregen zu Oberflächenabfluss in der Straße und zu einem Ausufern des Malzbaches sowie zur Überlastung der Kanalisation, von der Wohngebäude entlang des Baches betroffen waren. Weitere Stationen der Ortsbegehung sind in der Übersichtskarte eingetragen.

 

 

Ortsbegehung Illingen

29. Juli 2021

Der Fokus der Ortsbegehung lag auf der Ill: der innerörtliche Gewässerlauf wurde begangen und die Brücken- und Durchlassbauwerke eingesehen. Hierbei wurden wiederholt die Fragen „Was passiert bei Hochwasserführung der Ill?“, „Wo sind die kritischen Punkte, Engstellen am Gewässer, den Hochwasserabfluss erschweren?“ und „Wie kann eine naturnahe Umfeldgestaltung entlang des Gewässers mit der Hochwasser- und Starkregenvorsorge in Einklang gebracht werden?“ beleuchtet und an den entsprechenden Stellen seitens des Planungsbüros erläutert. 

Darüber hinaus wurden mittels der im Rahmen des Projekts zur Verfügung gestellten Starkregengefahrenkarte weitere Örtlichkeiten in Illingen zur weiterführenden Einschätzung des Gefahrenpotenzials fernab von innerörtlichen Gewässern begangen. Die Karten wiesen u.a. für den Merchweilerweg erhöhte Abflusskonzentrationen bei Starkregen auf, welche vor Ort von einem Anlieger bestätigt werden konnten. Die Flächen, die in Richtung der Straße entwässern werden landwirtschaftlich genutzt, sodass sich das Gefahren- und Schadenspotenzial verschärft, da hier das erhöhte Risiko massiven Bodenabtrags besteht.

Ein weiterer Hinweis erfolgte von den örtlichen VertreterInnen für den Straßenabschnitt der L112, nahe des Reitplatzes , auf der Höhe des Durchlassbauwerks an der Merch: hier kommt es bei intensiven Niederschlägen zur Überlastung der Straßenentwässerung und zum Einstau des Brückenabschnitts. An dieser Stelle konnte bereits ein Lösungsansatz seitens des Planungsbüros vorgeschlagen werden, der darauf abzielt durch Anpassungen des Bordsteins sowie des Wege-Quergefälles, den Abfluss in die Merch abzuschlagen. Diese Option gilt es im weiteren Verlauf der Konzepterstellung weiter zu prüfen, um die Problemlage entlasten zu können.

Die Stationen der Ortsbegehung sind in der Übersichtskarte markiert.

 

 

Ortsbegehung Wustweiler

29. Juli 2021

Der Wustweiler Seelbach liegt in der bebauten Ortslage stark eingeengt vor, die Anliegergrundstücke werden überwiegend bis zur Böschungskante genutzt, im unmittelbaren Gewässerumfeld befinden sich stark abtriebsgefährdete Materiallagerungen sowie Schuppen und Zäune sind über dem Gewässer gespannt. Durch diese Nutzungen erhöht sich das Verklausungs- und Rückstaupotenzial bei einer extremen Beaufschlagung des Gewässers um ein Vielfaches und somit auch das Schadenspotenzial für die umliegenden Grundstückseigentümer. Hinzu kommt der nicht mehr intakte, verrohrte Abschnitt vor der Straße „Zum Storckelborn“. Neben der baulichen Instandsetzung dieses Abschnitts besteht ein gesteigerter Bedarf der Sensibilisierung der Anlieger hinsichtlich einer sensiblen Grundstücksnutzung, die an einem Gewässer essenziell ist, um zum einen sein eigenes Hab und Gut weitmöglichst schützen zu können und zum anderen die Gefährdung der Nachbargrundstücke zu reduzieren. Dies wird neben der Erfassung der individuellen Erfahrungen der Bürgerinnen und Bürger auch Inhalt der noch ausstehenden Bürgerveranstaltung sein, die im weiteren Projektverlauf noch terminiert werden wird.

Neben der Gefährdung durch Bachhochwasser werden im Rahmen des Projekts zur Hochwasser- und Starkregenvorsorge auch solche Punkte erfasst, von denen, fernab von innerörtlichen Gewässern, eine Gefährdung der Bebauung Wustweilers durch Starkregen initiierte Abflusskonzentrationen hervorgeht. In diesem Zusammenhang wurde seitens der örtlichen VertreterInnen beispielsweise auf die Flächen oberhalb der Straße „Zum Steinertswald“ verwiesen. Hier entwässern die Hangflächen in Richtung des parallel angrenzenden Bebauungsriegel, wodurch Anlieger bereits zu Schäden kamen und nachfolgend punktuelle Schutzvorkehrungen umgesetzt haben.

Eine weitere Straße, die bei intensiven Niederschlägen als wasserführend beschrieben wird, ist die Pastor-Schulz-Straße,- hier sammelt sich das Wasser aus den nördlich angrenzenden Flächen und konnte bisher, laut Angaben der Ortskundigen, schadarm in Richtung Ill weitergeleitet werden. 

Diese und weitere Stationen der Ortsbegehung können dem nachfolgenden Kartenausschnitt entnommen werden.